Teamentwicklung: Eine fast konflikt-freie Workshop-Szene.

In einem Seminarraum sitzen 16 Personen. Aufgeteilt in 2er-Teams. Diese Kleinteams sitzen auf ihren Stühlen Rücken an Rücken im Raum verteilt. In der Hand hält jede/r TeilnehmerIn etwas das aussieht wie ein Stadtplan oder eine Landkarte. Die Anspannung ist im ganzen Raum spürbar. Die TeilnehmerInnen liefern sich lautstarke Diskussionen und es sind abwehrenden Gesten wie Kopfschütteln zu beobachten. Es macht den Anschein, als ob die Teams versuchen sich auf ein gemeinsames Ziel zu einigen. Erfolglos. Dazu später mehr…

Die Landkarte ist nicht die Landschaft.

Dieser wichtige Grundsatz in der systemische Arbeit weist darauf hin, dass wir uns nicht direkt auf die „eine“ Realität beziehen können, sondern immer nur auf unsere inneren Bilder. Unsere „Landkarten“, die wir uns von der Realität erstellt haben. Sie bilden ab, wie wir unsere Realität wahrnehmen. Wie wir sehen, hören oder fühlen. Diese Landkarten sind aber auch eine reduzierte Abbildung der Realität, d.h. wir verdichten oder selektieren Teile der „wahren“ Realität, um so die Komplexität besser händeln zu können. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Gegenüber abzustimmen, wer welche Teile der Realität in seine Landkarte aufgenommen hat. Ansonsten sprechen wir über das vermeintlich Gleiche und doch nur aneinander vorbei.

Fortsetzung:

Einblick in kommunikative Prozesse während einer Teamentwicklungsmaßnahme.

Was für Außenstehende schnell deutlich wird, wird für die Spieler erst nach und nach bewusst. Die 2er-Teams spielen nicht gegen die anderen Teams, sondern versuchen ihren Teampartner zu überzeugen und sich durchzusetzen. Erst nach geraumer Zeit kehrt Ruhe ein. Die Diskussionen flachen ab, erste Erfolge werden sichtbar und die Atmosphäre im Raum lockert sich wieder auf. Was ist passiert? Die Beteiligten haben erkannt, dass sie zur Ausführung der Aufgabe Landkarten mit verschiedenen Perspektiven von der Seminarleiterin erhalten haben. Sie haben entdeckt, dass obwohl sie eine Karte von der gleichen Stadt in ihren Händen halten die Perspektive und der Ausschnitt noch immer nicht der gleiche sein muss. Ihnen ist bewusst, dass sie eine detaillierte Abstimmung der jeweiligen Landkarten benötigten, um diese Unterschiede zu überbrücken und gemeinsam die Aufgabe lösen zu können.

Lösungsansatz: Bekanntes und Annahmen in Frage stellen.

In der Annahme, dass beide Teammitglieder die gleiche Karte von der Seminarleiterin erhalten haben, unterließen die Kleinteams zu Beginn des Prozesses einen genauen Abgleich ihrer Karte vorzunehmen. Sie starteten direkt ins Spiel und versuchten als Erste das Ziel zu erreichen. Erst durch das Erkennen und Akzeptieren dieser unterschiedlichen Perspektiven ihrer Landkarten wurde es möglich, die anstehenden Aufgaben zu lösen und gemeinsam gegen die anderen Teams zu kämpfen. Eine intensive Erfahrung für die Teams.

Team-Konflikte als Zeichen von mangelnder Abstimmung.

Der Prozess des ständigen Hinterfragens der individuellen Landkarten ist ziemlich anstrengend und kostet viel Kraft und Zeit – auch im beruflichen Alltag. Sich auf die Landkarte des Kollegen einzulassen, umzudenken und immer wieder nachzufragen, ob man noch gemeinsam auf dem richtigen Weg ist, ist mühsam. Aber es lohnt sich. Konflikte in Teams entstehen oftmals nicht durch tatsächliche Unterschiede zwischen den Teammitgliedern, sondern durch unsere unterschiedliche Wahrnehmung. Gerade in Konflikten passiert es häufig, dass ganz viele unterschiedliche Landkarten in den Köpfen der Teammitglieder (Konfliktbeteiligten) existieren und die Beteiligten vermeintlich zwar über das Gleiche sprechen, aber ganz andere Bilder beschreiben.

Fragen als Königsweg.

Genau wie Straßenkarten in Navis regelmäßig aktualisiert werden, lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die persönliche Landkarte. Insbesondere bei akuten Konflikten. Beruflich und privat macht es Sinn diese Karten noch einmal zu hinterfragen. Fragen können hilfreich sein diese „Unterschiede“ auf Landkarten deutlich zu machen und Missverständnisse aufzulösen.

In meinem neuen Video stelle ich Ihnen meine drei besten Fragen für Konflikte vor.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Gespräche und Offenheit für die Landkarten Ihrer Mitmenschen!

Herzliche Grüße,
Eva Scheuba

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