6 Anlässe um darüber nachzudenken ob Sie weiterhin als Führungskraft arbeiten möchten.

Ich liebe mein Team, ich liebe es nicht, ich liebe mein Team, ich liebe es nicht, …

  1. Sie haben es satt immer die Konflikte im Team lösen zu müssen.

Täglich steht ein Teammitglied in der Tür und beschwert sich über seinen Kollegen oder die Zusammenarbeit mit anderen Bereichen. Sie merken, dass diese zwischenmenschlichen Themen für Sie zunehmend banal werden und nach Kindergarten klingen. Manchmal wünschten Sie sich auch einfach mal über Ihr Team „ablästern“ zu können.

  1. Sie möchten nicht länger zwischen den Stühlen sitzen.

Sie reiben sich auf, um die Erwartungen und Wünsche Ihres Teams zu erfüllen und zeitgleich auch den Anforderungen des Unternehmens, Ihres Chefs, gerecht zu werden. Sie merken, dass Ihnen dieser Spagat nur mittelmäßig gelingt und Sie dadurch unter starkem Stress stehen. Sie haben das Gefühl es niemanden Recht zu machen – auch nicht sich selbst. Ihr Nacken verspannt sich, wenn Sie auch nur an die nächste Abteilungsrunde denken.

  1. Sie werden immer von oben ausgebremst.

Anregungen, Wünsche und Veränderungsvorschläge prallen bei Ihren Vorgesetzten auf taube Ohren. Wie gut Ihre Idee auch ist, Sie haben nicht das Gefühl, dass diese nur den geringsten Funken einer Chance hat. Ein paar Wochen später kommt Ihr Chef mit genau Ihrer Idee um die Ecke, feiert diese und weist Sie an seine Idee umzusetzen. Innerlich kocht es in Ihnen, aber Sie wissen genau – Widerstand ist zwecklos.

  1. Mit Ihren Entscheidungen können Sie es niemanden recht machen.

Gerne würden Sie Ihre Mitarbeitenden bei Entscheidungen beteiligen. Sie fragen nach Standpunkten, versuchen Meinungen einzufangen und wünschen sich Vorschläge. Doch die Masse schweigt. Als hätten Sie es nicht schon geahnt – sobald Sie ihre Entscheidung bei der nächsten Teamsitzung verkündigen regt sich der Widerstand. Sie merken, mit sachlichen Argumenten kommen Sie einfach nicht weiter.

  1. Sie fühlen sich häufig durch Mitarbeitende gestört.

Gerne würde Sie sich einmal auf strategische Fragen und die Weiterentwicklung Ihres Bereiches konzentrieren. Auf das, was Sie damals mit ermutigt hat die Bewerbung als Führungskraft abzugeben. Die Aussicht darauf mitzugestalten und aktiv etwas verändern zu können. Ihr Alltag sieht aber ganz anders aus. Sie haben noch nicht den PC hochgefahren und schon klopft der erste Mitarbeiter an der Tür und berichtet über Konflikte im Team. Kurz darauf klopft es wieder und die ersten Entscheidungen werden von Ihnen erwartet, obwohl es Punkte sind, die auch ihre Mitarbeiterin entscheiden könnte. Und so geht es weiter. Den ganzen Tag. Abends gehen Sie nach Hause und wissen eigentlich gar nicht was sie gearbeitet haben. Sie sind unzufrieden, dass Sie an Ihrem Thema nicht arbeiten konnten.

  1. Sie haben erkannt, dass Führung Ihnen keinen Spaß macht.

Wenn Sie ganz ehrlich zu sich sind, wissen Sie bereits, dass Sie nicht gerne führen. Sie haben für sich erkannt, dass Führung nicht Ihr Ding ist. Sie möchten lieber operativ arbeiten oder als Stabsstelle strategische Projekte vorantreiben. Jetzt stecken Sie in der Zwickmühle und wissen nicht wie Sie weiter vorgehen sollen.

Wie sieht es aktuell in Unternehmen aus?

In meinem Alltag als Coach und Supervisorin treffe ich regelmäßig Menschen, die es bereuen die Aufgabe als Führungskraft übernommen zu haben.

Der Alltag dieser Menschen ist bestimmt durch innere Konflikte und Auseinandersetzungen mit Mitarbeitenden. Nicht selten höre ich Sätze wie „Hätte ich das gewusst, dann …“ oder „Führung macht absolut keinen Spaß.“.

Wenn ich dann nachfrage ob es nicht möglich wäre es einfach wieder zu lassen, werde ich nicht selten mit weit aufgerissenen Augen angeschaut und die Betroffenen schütteln wild den Kopf.

 

Sie wollen nicht mehr Führungskraft sein. Was nun?

  • Was macht es in unserer Gesellschaft, unserem Arbeitsumfeld, so schwer wieder einen Schritt zurück zu in die zweite Reihe zu treten?
  • Sind es die eigenen inneren Glaubenssätze, die dies verhindern oder Angst vor der Meinung von Anderen?

Innere Glaubenssätze und Erklärungsversuche wie …

„Wenn ich darum bitte nicht mehr als Führungskraft arbeiten zu müssen, bin ich gescheitert. Mein Vorgesetzter nimmt mich dann nicht mehr ernst und mit meinen früheren Mitarbeitern kann ich auch nicht als Kollege*in zusammenarbeiten. Die Rolle als Führungskraft zurück zu geben bedeutet auch immer, dass ich nicht mehr in meiner Firma bleiben kann und den Arbeitsplatz wechseln muss.“

 Im Coaching oder Supervision eine alternative Sicht auf die Dinge entwickeln.

Im Coaching arbeiten wir dann im ersten Schritt an diesen Generalisierungen. Wer sagt denn, dass es IMMER so sein muss. Manchmal sind Vorgesetzte auch froh, wenn die persönliche Einsicht von alleine kommt. Nach meiner Erfahrung ist das Unwohlsein in der Rolle als Führungskraft auch durchaus von außen wahrnehmbar. Manchmal ist der erste Schritt von Seiten des Mitarbeitenden auch das Verhindern von etwas viel Größerem. Stellen Sie sich vor, Ihr Vorgesetzter hat das Bild, dass Sie als Führungskraft nicht geeignet sind – was sich ja durchaus mit Ihrer Einschätzung decken kann und nicht per se negativ ist – und überlegt jetzt wie er mit Ihnen in Dialog kommen kann.

Wäre da eine Selbsterkenntnis in Verbindung mit den entsprechenden Konsequenzen nicht etwas was Sie sich in seiner Rolle wünschen würden?

Es ist wie es ist. Akzeptanz von Realitäten.

Es zu erkennen, sich zu entscheiden und so mutig zu sein es wieder zu lassen – DAS ist für mich innere Größe. Sollten Sie auch für sich mal wieder an dem Punkt stehen… bitte fragen Sie sich:

  • Will ich wirklich führen?
  • Warum habe ich mich für die Führungsrolle entschieden?
  • Was macht Führung für mich so schwer?
  • Wie könnte es leichter gehen?
  • Welche Werte habe ich und kann ich diese in meiner Rolle als Führungskraft leben?

Bitte seien Sie schonungslos ehrlich zu sich. Nur so kann persönliche Entwicklung entstehen. Wenn Sie (noch) keine guten Antworten auf diese Fragen geben haben, dann sollten Sie daran arbeiten. Zeitnah.

Ich wünsche Ihnen den Mut Ihre Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung, die zu Ihnen passen und für Sie nützlich sind. Alles andere ist mittel- bis langfristig schwierig und wird zu einem (inneren) Konflikt führen.

Herzliche Grüße, Eva Scheuba