Warum höher, schneller, weiter nicht automatisch auch immer auch gut, besser, am besten ist.

In Zeiten zunehmender Arbeitsverdichtung und Komplexität herrscht in Teams ein weiterer Risikofaktor für kollektiven Burnout und Zwietracht: Interner Wettbewerb.

Immer häufiger erlebe ich es in meiner Rolle als Teamcoach und Mediatorin, dass sich Teams selbst zunehmend unter Druck setzen und dadurch eine Reihe von Konflikten verursacht werden. Hierbei wird der Druck nicht von außen oder der Führungskraft erzeugt, sondern ist sozusagen hausgemacht.

Die Teammitglieder versuchen sich untereinander zu überbieten. Was in Bezug auf die individuelle Karriereplanung und Positionierung vielleicht noch sinnvoll erscheint, wirkt auf kollektive Teamziele eher deplatziert und hinderlich im Teamalltag.

Prozesse und Abläufe im Team müssen für alle klar und geregelt sein.

Stellen Sie sich vor Sie arbeiten mit Ihrem Kollegen zusammen in einem Servicecenter und dieser Kollege erledigt alle Kundenanfragen in Lichtgeschwindigkeit, d. h. direkt nach Eingang. Dafür bleiben interne Projekte liegen. Was denken Sie geschieht? Richtig. Die Kunden gewöhnen sich an diesen Service und erachten es für selbstverständlich, dass alle Probleme direkt gelöst werden. Sie bedanken sich bei dem Kollegen und loben ihn bei seinem Chef.

Aus Kundensicht alles perfekt und richtig gemacht, aus Teamsicht häufig ein Dilemma.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte nicht sagen, dass Sie zukünftig Kundenanfragen aussitzen sollen – keinesfalls, aber in der Arbeit als Team ist es wichtig, dass solche fundamentalen Prozesse und Abläufe einheitlich geregelt sind. Innerhalb welcher Zeit werden Kundenanfragen beantwortet? Welche Wichtigkeit haben interne Projekte?

Unabhängig von der Persona muss klar sein, welche Priorisierung in der täglichen Arbeit existiert.

So kann es nicht sein, dass in Abhängigkeit vom jeweiligen Sachbearbeiter Kundenanfragen innerhalb von Sekunden oder erst innerhalb mehrerer Wochen bearbeitet werden. Sind wir mal ehrlich. Sicher hätten wir gerne sofort unsere Antwort, aber wenn es einen Moment dauert ist es doch auch ok.

Geburtstagsgeschenke als Auslöser für Zwietracht im Team.

Ein anderes Beispiel. Stellen Sie sich vor innerhalb des Teams ist es Usus, dass zu Geburtstagen gesammelt wird und eine Kleinigkeit von dem gesammelten Geld gekauft wird. Ein Präsent. Jetzt stellen Sie sich weiter vor Sie in Abhängigkeit von dem jeweiligen Einkäufer würde sich ihr Geschenk zwischen mickrig und fabelhaft bewegen. Ungerecht, oder? Kritische Leser denken jetzt vielleicht – das eine ist der Job und das andere ist privat. Das interessiert mich sind. So einfach ist das aber nicht. Arbeitsbeziehungen und gute Leistungen im Arbeitsalltag können nicht voneinander getrennt betrachtet werden. Ist die Beziehungsebene gestört, wird die alltägliche Kommunikation und der Austausch erschwert.

Teamkonflikte vermeiden. Ungerechtigkeiten aufdecken.

Von außen betrachtet beschreiben diese Beispiele nur Kleinigkeiten. Aber es sind genau diese Dinge, die innerhalb eines Teams zu Konflikten führen. Je ehrlicher und offener Sie mit genau diesen Dingen umgehen, desto leichter lassen sich für diese Probleme Lösungen finden. Noch wichtiger ist jedoch die Konfliktprävention.

Aus Nichtigkeiten werden oft handfeste Teamkonflikte. Was können Sie als Führungskraft tun?

Als Führungskraft eines solchen leistungsorientierten Teams ist es Ihre Aufgabe darauf zu achten, dass Ihre Mitarbeitenden die eigenen Grenzen wahrnehmen und beachten. Wer immer über seine Grenzen geht, dem gelingt es nicht gut für sich zu sorgen. Wer nicht sorgsam mit sich umgeht, der kann dauerhaft nicht die Leistung bringen, die von ihm erwartet wird. Ein Teufelskreis.

Neid, Missgunst und Wettbewerb werden durch Führungskräfte geduldet in der Erwartung, dass die Wirtschaftlichkeit und Produktivität eines Teams steigt.

Manchmal passiert dies auch unbewusst.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist, dass Sie als Führungskraft anerkennen, dass sie nicht nur Teil des Systems sind, sondern vielleicht auch Teil des Problems sind. Doch wer ist schon gerne Teil des Problems? Sie sehen. Hier ist eine sehr ausgeprägte Selbstreflexionsfähigkeit gefragt.

Setzen Sie auf Kooperation statt auf Konkurrenz unter Kollegen.

Wenn Sie merken, dass Ihre Mitarbeitenden sich „im Wettbewerb befinden“ sprechen Sie es offen an. Nichts ist entlastender in Konfliktsituationen als Offenheit und die Fähigkeit miteinander sprechen zu können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele gute Gespräche! Eva Scheuba