Teamaufbau & Leadership – eine Frage der Motivation. 

Wenn Unternehmer*innen – Solopreneure, Einzelkämpfer, Einzelunternehmer, Freelancer, Freiberufler, Soloselbstständige oder wie man sie sonst noch umgangssprachlich nennt – mit mir arbeiten, ist es häufig so, dass sie noch unsicher sind, ob sie mit einem eigenen Team starten wollen.

„WARUM ein eigenes Team?“

Das ist häufig die erste Frage, welche ich in unserer Zusammenarbeit stelle. Und die häufigste Antwort, die ich dann höre ist „Mir wächst alles über den Kopf. Ich habe zu viel Arbeit und schaffe es nicht mehr.“.

Andere Kollegen*innen sind hier schon einen Schritt weiter und suchen ganz konkret Hilfe beim Teamaufbau.

Hier stellt sich dann häufig die Frage „Wen suche ich denn eigentlich?“ oder „Wie organisiere ich mich und mein Team?“ oder „Wie können wir als Team gut in Kontakt bleiben?“ Hier geht es um Absprachen, Delegation und allgemeine Kommunikation.

Wiederum andere Kollegen*innen sind noch einen oder mehrere Schritte weiter und haben bereits ein eigenes Team.

Ihr Business wächst und brauche noch mehr Unterstützung. Sie stellen sich häufig die Frage „Wer könnte mein Team ergänzen.“ „Wie könnte ich für meinen Kunden noch einen größeren Nutzen bringen?“ „Wie könnte ich mein Produkt weiterentwickeln und welche Kompetenz hierfür sollte mein (neues) Teammitglied mitbringen?“

Egal in welcher Phase meine Kunden sind, steigen wir mit der zentralen Frage nach dem WARUM ein.

„Warum möchten Sie ein Team aufbauen?“ bzw. „Warum haben Sie sich für ein Team entschieden?“

Die Antwort auf diese Frage zeigt mir häufig schon welche Werte meinen Kunden in ihrem Business wichtig sind.

Ein Team aufzubauen bedeutet nämlich auch Verantwortung zu übernehmen. Und mit sich und diesen Teammitgliedern achtsam zu sein. Die eigenen und fremden Bedürfnisse wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

Ich zähle zu potentiellen Teammitgliedern auch Freelancer, andere Unternehmer oder Freiberufler berücksichtigt, die in der Lage sind Aufgaben aus meinem Business zu übernehmen und die ich beauftrage.

Erst später folgen weitere Fragen.

• Warum möchtest du gerade jetzt mit einem eigenen Team starten?
• Warum denkst du über eine Erweiterung deines Teams nach?
• Welchen Nutzen hast du davon?
• Was ist dein Ziel?
• Welche Kompetenzen sollte dein (neues) Teammitglied mitbringen?
• Welche Werte sind dir in deinem Business wichtig?
• …

Diesen Fragekatalog könnte ich endlos erweitern.

Je nach aktueller Businesssituation variieren diese Fragen sehr stark und gehen noch viel weiter in die Tiefe.

Für einen ersten Einstieg und insbesondere, wenn Sie noch unsicher bist ob Sie gerne ein Team hättest, dann sollten Sie mit der WARUM – Frage starten.

Probieren Sie es mal aus… und vor allem geben Sie sich nicht mit der ersten Antwort zufrieden. Graben Sie tiefer! Stelle Sie sich immer wieder die WARUM-Frage bis Sie das Gefühl haben bei Ihrer eigenen Wahrheit angekommen zu sein.

Ein Beispiel. Der Klassiker.

Ich: „Warum möchten Sie ein eigenes Team?“
Kunde: „Ich habe einfach zu viel Arbeit.“
Ich: „Wenn Sie soviel Arbeit haben, könnten Sie doch auch weniger Aufträge annehmen. Warum wollen Sie lieber ein Team.“
Kunde: „Ich möchte mit meinem Business wachsen.“
Ich: „Wenn Sie mit Ihrem Business wachsen wollen, könnten Sie auch über eine Optimierung von Prozessen nachdenken. Warum soll es lieber ein Team sein?“
Kunde: „Ich möchte gemeinsam mit jemanden an meinem Business arbeiten. Prozesse optimieren, Produkte verbessern oder neue Ideen entwickeln.“

Vielleicht haben Sie es gemerkt.

Das Team ist nur das Mittel zum Zweck. Der Wunsch sich ein Team aufzubauen steht in diesem Beispiel stellvertretend für den Wunsch nach Zusammenarbeit. Den Wunsch nicht mehr allein im eigenen Business arbeiten zu müssen, sondern wieder etwas mehr Austausch zu haben.

Bevor wir dann aber mit dem Teamaufbau beginnen, wechseln wir noch einmal den Fokus. Wir reflektieren gemeinsam was denn da sonst noch ginge.

Es geht um das Abklopfen von Alternativen. „Wäre es beispielsweise auch eine Option mit Kollegen zu kooperieren, Netzwerktreffen zu besuchen oder eine passende Mastermind zu finden, um diesen Austausch zu haben? Wäre dies gleichwertig?“

Das was viele in ihrer „Teameuphorie“ vergessen ist, dass ich mir sehr schnell ein eigenes Team aufbauen kann, aber Teamführung und Teamentwicklung im Alltag Zeit kosten, es neue Prozesse braucht, ein zusätzlicher Abstimmungsbedarf entsteht und natürlich auch Kosten anfallen.

Umso wichtiger ist es, dass es ein klares Kommittent für ein eigenes Team gibt und alle Alternativen durchdacht sind. Sonst könnte es passieren, dass nach ein paar Monaten eine attraktive Alternative über den Weg läuft und Sie die Idee haben es mit dem Team einfach mal wieder zu lassen.

Teamführung ist in der Praxis nämlich nicht nur pure Freude, sondern kann phasenweise auch mal anstrengend werden.

Hier setzt für mich aber auch die bereits oben kurz erwähnte Verantwortung für Ihre Teammitglieder – Ihre unternehmerische Verantwortung – an. Sie entscheiden nicht nur, dass Sie ein Arbeitgeber sein wollen, sondern auch was für ein Arbeitgeber Sie sein wollen. Hire-and-fire-Mentalität oder doch vielleicht mehr ein Mindful Leader, der gemeinsam mit seinem Team Dinge und Menschen bewegt.

Doch nun wieder zurück zum WARUM.

Je klarer Sie Ihr WARUM für ein eigenes Team haben, desto leichter findet sich auch die passende Unterstützung.

Um nicht zu früh, übereilt oder in einer Kurzschlussreaktion diese Entscheidung zu treffen ist es wichtig noch einmal einen Schritt zurück zu gehen, sich kurz zu reflektieren und vor allem ganz ehrlich mit sich selbst zu sein. Gründe, um über ein eigenes Team nachzudenken gibt es viele. Die Motivation sich dann auch tatsächlich dafür zu entschieden ist auch vielfältig.
Neben den logisch nachvollziehbaren Gründen gibt es hier auch eine Menge anderer Gründe, warum Menschen gerne ein Team hätten.

Einige möchten Arbeitsplätze schaffen. Gerade in strukturschwachen Gegenden sicherlich eine gute Idee.

Andere arbeiten in Ihrem Onlinebusiness und schätzen die Inspiration und das Flair eines internationalen Teams, das komplett virtuell (remote) miteinander arbeitet.

Manchmal geht es auch nur um das eigene Ego. Ist es nicht schön, wenn mich meine Kollegen, Kunden oder mein privates Umfeld als erfolgreicher Unternehmer*in mit einem eigenen Team wahrnehmen. Macht das nicht viel mehr her als diese schnöde Soloselbstständigkeit?

Sie merken hoffentlich die Ironie, aber auch das gibt es. Und wenn es Ihr guter Grund für ein Team ist … warum nicht.

Ich gehe immer davon aus, dass jede*r Unternehmer*in einen guten Grund hat sich für oder gegen ein Team zu entscheiden. Ganz wertfrei.

Das was für den einen richtig ist, muss zu dem Business des anderen noch lange nicht passen. Es ist immer wichtig genau hinzuschauen und auf die innere Stimme zu vertrauen. Wichtig ist, dass Sie hinter Ihrer Entscheidung stehen.

Wenn es da Zweifel gibt, die gegen ein Team sprechen, dann schauen Sie genau hin was es ist.

Aus systemischer Sicht gibt es wesentlich bessere Fragen als das „WARUM“, da es das Gegenüber manchmal dazu nötigt eine Antwort zu finden und sich zu rechtfertigen. Es kann einem schon ganz schön mit dem Rücken an die Wand stellen. Bei meinem Beispiel haben Sie aber vielleicht auch den Nutzen des WARUM gesehen. Es bringt einem in die Tiefe. Es macht Dinge sichtbar, die ansonsten vielleicht niemals sichtbar geworden wären.

Ab und zu – wenn es stimmig ist – erlaube ich mir aber auch bewusst dieses WARUM zu nutzen.

Wer sich gerne noch etwas mehr mit dem eigenen WARUM beschäftigen möchte – mit welchem Fokus auch immer – dem empfehle ich das Buch von Simon Sinek.

Literaturtipp: Frag immer erst: WARUM, Simon Sinek, Redline Verlag*

(*Hinweis: Keine bezahlte Werbung, sondern eine Empfehlung aus Überzeugung.)

Noch ein paar persönliche Gedanken, die ich gerne teilen möchte…

So wie es viele Gründe für ein Team gibt, gibt es auch mindestens genauso viele gute Gründe, die gegen ein Team entscheiden.
Ein Team zu haben kann zwar den Umsatz enorm steigern, bedeutet aber nicht automatisch, dass es am Ende des Monats mehr Netto auf dem eigenen Konto ausmacht. In der BWL sprechen wir hier über sprungfixe Kosten.

Manchmal höre ich auch Argumente wie …

• Ich kann es am besten. Nur ich kenne mich in meinem Business aus.
• Ich bin schneller, wenn ich es allein mache, als wenn ich es vorher alles erklären muss.

Doch bitte seinen Sie ehrlich zu sich.

• Könne Sie tatsächlich alles besser oder sind Sie Spezialist*in in Ihrem Kerngeschäft.
• Sind sie vielleicht ein kleiner, sympathischer Kontrollfreak?
• Sind Sie wirklich schneller oder haben Sie bisher nur an die falschen Personen delegiert?
• Denken Sie ein Team arbeitet ohne Sie? Ohne Führung und Kommunikation?

Allgemein lässt sich sicherlich empfehlen …

• Geben Sie all das ab was Ihnen keinen Spaß macht und/oder zu viel Zeit kostet.
• Geben Sie Dinge ab, die standardisiert werden können und nicht individualisiert bearbeitet werden müssen.
• Geben Sie etwas ab, wenn Sie keine Zeit mehr für die Arbeit am Business haben.
• Geben Sie Dinge ab, die andere Menschen besser können als Sie. Delegieren Sie an Spezialisten.
• Prüfen Sie regelmäßig die Qualität der Arbeit Ihrer Teammitglieder. Es ist Ihr Business!
• Machen Sie Ihre Prozesse „teamfähig“.

Tragen Sie die Verantwortung für Ihr Business, aber auch für sich.

Achten Sie auf Ihre Grenzen und Ressourcen, damit Sie gesund bleiben. Bleiben Sie achtsam.

Ich hoffe meine Gedanken zu diesem Thema haben Sie ein Stück weitergebracht. Machen Sie es gut und hoffentlich bis bald wieder in der Teamküche!

Ihre Eva Scheuba

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